Low-Code-Plattform ermöglicht schnellere OZG-Umsetzung

Redaktion der mgm-tp-News
Nachbericht zum Interview „Und wenn die Sachbearbeiter aus den Rathäusern und Behörden ihre Verwaltungsanwendungen einfach selbst bauen würden? – Das OZG-Bürgerportal-Experiment.“ Link

Die Digitalisierung der Verwaltung ist längst überfällig und Deutschland hat deutlichen Nachholbedarf. Mit dem im November 2018 vom Bund beschlossenen Onlinezugangsgesetz (OZG) soll diese Lücke geschlossen werden. Sämtliche Verwaltungsleistungen von Bund, Ländern und Kommunen müssen demnach bis zum 31.12.2022 den Bürgerinnen und Bürgern auch online zur Verfügung stehen. Die Nutzerorientierung steht bei der Entwicklung der Anwendungen ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch wie kann diese Herkulesaufgabe in dieser kurzen Zeit gelingen?

Mammutaufgabe mit kurzer Timeline
Schon jetzt vermuten Experten, dass maximal 100 oder 200 der wichtigsten Formulare bis Ende 2022 online gehen können. Die schiere Masse an Formularen und Prozessen, die das OZG bis 2022 online verlangt, erscheint tatsächlich erdrückend. Dazu kommt: Interdisziplinäre Entwicklerteams sind oft schwerfällig und leiden unter Reibungsverlusten. Fachexperten entwickeln Guidelines und Briefings, mit denen sie den IT-Entwicklern ihre Anforderungen klarzumachen versuchen; die IT-Abteilung geht in die Entwicklung; die Fachabteilung testet die Anwendung in der Praxis und weist sie ggf. zur Überarbeitung an die IT zurück … Mit dem üblichen Vorgehen dauert der Prozess viel zu lang.

Sachbearbeiter via Low-Code-Tools zu Entwicklern machen
Als grundsätzlich anders ausgerichteter Ansatz bietet es sich an, die Sachbearbeiter zu Softwareentwicklern zu machen. Dafür müssen sie keine ausgewiesenen IT-Experten sein: Low-Code-Tools machen es möglich. So können die wahren Formular-Profis die Anwendungen genau nach ihren Bedürfnissen und denen der Bürger gestalten. Oft haben Sachbearbeiter aus der Verwaltung ein ausgeprägtes Gespür für gute Verwaltungssoftware und modellieren einfacher und klarer als IT-Experten, ohne dass aber Funktionalität verlorenginge. Schließlich sind es neben den Bürgern vor allem sie, die später mit der Software umgehen müssen.

Erste Ergebnisse auf diesem Feld gibt es schon. Nicht-Experten und Nicht-Informatiker modellieren teils bereits nach eintägigen Workshops zur Einführung in die Plattform am Computer Formulare und Workflows, um die Rolle der Bürger einzunehmen und um als Sachbearbeiter Anträge zu bearbeiten, freizugeben oder abzulehnen.

Die Anwender können relativ schnell nicht nur Felder anlegen und verändern, sondern via Vorschau auch das Aussehen des Formulars direkt gestalten – so wie es aus ihrer fachlich fundierten Sicht am sinnvollsten für Bürger und Verwaltungsmitarbeiter ist. Komplexere Positionen wie abhängige Felder und Regelsprache bedürfen etwas mehr Unterstützung und Schulung. In einem mgm-Showcase wurden von Sachbearbeitern bereits einige OZG-Leistungen abgebildet und die drei Rollen Bürger, Sachbearbeiter und Formularersteller angelegt.

Nach diesem ersten Schritt, in dem Usability und Praxistauglichkeit getestet werden, folgt die Implementierung von FIM als einheitlicher Basis für alle OZG-Anwendungen. Im dritten Schritt folgen Themen wie Security, Verschlüsselung, Authentifizierung und Testdatengenerator.

Fazit
Das Potenzial von Sachbearbeitern ist eine gewaltige Chance bei der Umsetzung des OZG. Die von ihnen entwickelten Lösungen sind praxisnah, einfach zu bedienen und können von den Auftraggebern souverän weiterentwickelt, gepflegt und betrieben werden. Die Unabhängigkeit von IT-Dienstleistern bedeutet somit letztlich auch eine Steigerung der Souveränität des Staates, der Länder und Kommunen.