12. Juli 2026 · Dr. Dirk Günnewig, Staatssekretär im Finanzministerium NRW · Wissenstransfer, Plattform, Nachnutzung
Dirk Günnewig, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Finanzministerium und im Präsidium von GovTech Deutschland, erklärte Mitte Juli öffentlich, warum er sich bei AMTSFUNK registriert hat, einer neuen Austauschplattform für Bund, Länder und Kommunen sowie Wirtschaft und Wissenschaft, mit ausdrücklicher Trennung zum Vertrieb.
Seine Diagnose ist die interessantere Hälfte des Posts. Modernisierung scheitere selten an fehlendem Wissen, häufiger daran, dass Erfahrungen, Lösungen und Ideen zwischen den föderalen Ebenen und zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft nicht zusammenfinden. AMTSFUNK setzt an diesem Punkt an: offene Themenräume zu Digitalisierung, KI und neuen Arbeitsformen, Projektgruppen für konkrete Zusammenarbeit, Partnerbereiche für Unternehmen. Günnewigs Leitfrage lautet, wie die vielen guten Einzelinitiativen zu einer lernenden, vernetzten Organisation werden, und seine Antwort setzt auf Strukturen, die Wissen über Sektorgrenzen hinweg teilbar machen.
Mein Einwurf zog eine Unterscheidung zwischen den beiden Bausteinen der Plattform ein:
Strukturen, die Wissen und Erfahrung über Sektorgrenzen hinweg teilbar machen: daran entscheidet sich, ob aus vielen guten Einzelinitiativen eine lernende Organisation wird. Dieser Transfer entsteht am zuverlässigsten als Nebeneffekt konkreter Zusammenarbeit. Menschen geben Wissen weiter, während sie gemeinsam an einem Vorhaben arbeiten, und ein Themenraum bleibt lebendig, solange er an echten Projekten hängt. Die Projektgruppen dürften deshalb der eigentliche Kern von AMTSFUNK sein, die Themenräume der Einstieg dorthin. Daran hängt eine Anschlussfrage: Gelingt es, die Ergebnisse dieser Gruppen so festzuhalten, dass die nächste Behörde sie nachnutzen kann, ohne dieselben Gespräche noch einmal zu führen? Dann würde aus der Plattform ein wachsender Bestand geteilter Verwaltungspraxis.
Offen bleibt genau diese Frage nach der Ergebnissicherung. Plattformen für den Austausch zwischen Behörden hat es mehrere gegeben, und ihr typisches Ende ist der langsame Verfall: Die Themenräume füllen sich mit Erstbeiträgen, die Projektgruppen laufen aus, das Erarbeitete bleibt in den Köpfen der Beteiligten. Ob AMTSFUNK das anders löst, entscheidet sich an der Frage, ob jemand für die Aufbereitung der Ergebnisse zuständig ist.
Stand: 1. August 2026. Original-Post.
