26. Juni 2026 · Vanessa Stahl · Datengovernance, internationale Vergleiche, Zuständigkeit
Die EU-Kommission hat ihre Digital-Decade-Berichte veröffentlicht, und für die deutsche Verwaltung fällt das Ergebnis erwartbar aus: große Lücken, daneben Vorhaben wie das Registerdatennetz NOOTS als Aktivposten. Vanessa Stahl, die im öffentlichen Sektor zu digitaler Transformation arbeitet, nahm das zum Anlass für eine Bemerkung über den Umgang mit solchen Vergleichen: Vor einigen Jahren habe man sich nicht mehr mit Estland vergleichen lassen wollen, weil Deutschland mit den meisten Ländern nicht vergleichbar sei. Mit dieser Haltung könne man sich auch schön vom Lernen abhalten.
Aus Korea, das in den einschlägigen Ranglisten regelmäßig vorn liegt, berichtete sie eine Beobachtung, die den Unterschied greifbarer macht als jede Platzierung: eine ausgeprägte Bereitschaft zu Betaversionen im Echtbetrieb. Anwendungen und Webseiten würden abgeschaltet und neu gemacht, Fehler seien erlaubt, solange sie angegangen werden.
Der interessantere Teil ihres Beitrags betrifft die Grenzen dieses Vorsprungs. Auch in Korea sind die Datenzuständigkeiten über mehrere Ministerien verteilt, und der zuständige Minister wird mit den Worten zitiert, es sei an der Zeit, die Barrieren zwischen Ministerien und Behörden einzureißen und über systematische Zusammenarbeit nachzudenken. Ein Spitzenreiter beschreibt damit dasselbe Problem, das in Deutschland als Rückstand gilt.
Mein Einwurf zielte auf diese Stelle:
Der spannendste Punkt ist nicht das Ranking, sondern das Korea-Zitat: dass selbst ein Spitzenreiter ressortübergreifende Datenprobleme erst mit eigenen Gremien angehen muss. Auch in Deutschland ist die harte Hälfte selten die Technik, sondern die Frage, wer über Ressortgrenzen hinweg entscheiden, koordinieren und auch zurücknehmen darf. Sehen Sie für die GIZ/BMDS-Runde schon einen benannten Ort mit genau dieser Befugnis, oder ist das noch offen?
Stahls Antwort war eindeutig: Die internationalen Digital Dialogues seien eher als Austauschformat konzipiert und könnten ein Start zum Thema sein.
Damit ist die Lage benannt. Für den Austausch über Ressortgrenzen hinweg gibt es ein Format, für die Entscheidung darüber noch keines. Dieselbe Lücke war zwei Wochen zuvor auf einer Fachkonferenz zur Cybersicherheit offen geblieben [Wer entscheidet, wenn das Lagebild da ist?], und sie fällt in beiden Fällen an derselben Stelle auf: Über die Richtung herrscht Einigkeit, über die Zuständigkeit nicht.
Stand: 2. August 2026. Zitat des koreanischen Ministers nach dem von der Autorin verlinkten Bericht. Original-Post.
