Woran entscheidet sich, ob ein Agent handeln darf?

3. Juli 2026 · Kristian T. Sørensen, IN Groupe · EUDI-Wallet, Mandate, KI-Agenten

Kristian Sørensen, der bei IN Groupe zu digitaler Identität arbeitet, eröffnete Anfang Juli mit einer Prognose, die im Wallet-Umfeld ungewohnt direkt ausfiel: Einen synchronisierten europaweiten Start der EUDI-Wallet im Jahr 2026 werde es nicht geben. Wahrscheinlich lieferten rund fünf Länder bis Jahresende voll funktionsfähige Wallets, andere führten begrenzte „mini wallets“ ein und verwiesen darauf, wenigstens etwas geliefert zu haben. Wer als Relying Party auf diese Infrastruktur baut, solle sich auf eine fragmentierte Realität einstellen. Sein Kernsatz: „Mandates create compliance, but they do not create markets.“

Zwei seiner Thesen bestimmten die Diskussion. Die EUDI-Wallet nehme Banken und regulierten Anbietern ihre Sorgfaltspflichten nicht ab, und die Organisational Wallet für Unternehmen werde eher zum kommerziellen Motor des Ökosystems als die Bürger-Wallet.

Der Thread zeigte, wie unterschiedlich das Feld die Lage einschätzt. Richard Oliphant, Jurist, fragte, welche Haftung eine Bank trifft, die die Wallet nach der EU-Geldwäscheverordnung akzeptieren muss und dennoch einem Identitätsbetrug aufsitzt. Azmat Khan hielt inkonsistente Vertrauensmodelle für gefährlicher als die Fragmentierung selbst, weil Relying Parties sonst dasselbe Integrationsproblem mehrfach lösen; Sørensen bestätigte, bei Governance und Ausstellungsprozessen sei kaum Standardisierung zu erwarten. Anders Rundgren zählte acht Gründe auf, warum im Zahlungsbereich gar nichts passieren werde, unter anderem das Auslaufen der Förderung im dritten Quartal 2027. Bo Harald warf ein, KI-Agenten könnten nicht warten, woraufhin Sørensen drei Prüfungen benannte, die eine Agenten-Wallet leisten müsse: ob der Agent echt ist, in wessen Auftrag er handelt, und welches Mandat er hat, im Bild des Kühlschranks, der Milch bestellen darf und das Haus nicht neu beleihen.

An dieser dritten Prüfung setzte mein Einwurf an:

The exchange with Bo Harald points at the hardest of the three checks: the mandate. Whether an agent is genuine and on whose behalf it acts are credential questions. What it may do is a register question, and public administration has quietly built such rails already. Germany’s tax system runs a machine-readable power-of-attorney database: advisers register mandates for their clients, the administration checks them electronically before granting access, revocation propagates through the same channel. None of it is wallet-specific, which is the point: business wallets and agent wallets will scale where mandate registers exist and can be queried for verification.

Der Punkt: Echtheit und Vertretungsverhältnis lassen sich als Nachweis in einer Wallet abbilden, der Umfang einer Vollmacht ist dagegen eine Frage des Registers. Die deutsche Steuerverwaltung betreibt eine solche maschinenlesbare Vollmachtsdatenbank seit Jahren, samt elektronischer Prüfung vor dem Zugriff und Widerruf über denselben Kanal.

Offen bleibt, ob diese Verbindung irgendwo geplant ist. Die Wallet-Architektur und die vorhandenen Vollmachtsregister der Fachverwaltungen werden bislang getrennt voneinander entwickelt.

Stand: 2. August 2026. Zitat im englischen Original des Kommentars. Original-Post.


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