20. Juli 2026 · Zentrum Digitale Souveränität (ZenDiS) · Open Source, Verwaltung, Produktverantwortung
Das ZenDiS stellte im Juli eine Frage, die in der Open-Source-Debatte der Verwaltung selten so direkt gestellt wird: Was sollte ein Open Source Program Office für die öffentliche Verwaltung eigentlich können? Als Antwort verwies es auf die Landeshauptstadt München, die mit einem Open-Source-Sabbatical und laufenden Veröffentlichungen eigener Projekte arbeitet, und auf den Austausch mit ZenDiS-Geschäftsführer Leonhard Kugler. München und ZenDiS engagieren sich gemeinsam im Kommunalen Open Source Board, einem Netzwerk, in dem Fachleute aus und für Kommunen ihr Wissen bündeln.
Die Frage nach dem OSPO ist die Frage nach der Betriebsstruktur, und München hat dazu die längste Erfahrung im Land. Der Stadtrat entschied im Mai 2003 für LiMux, bis zum Abschluss der Migration 2013 liefen 14.800 Arbeitsplätze darauf, 2017 beschloss die Stadt den Rückbau. Die Aufarbeitung der EU-Kommission im Open Source Observatory nennt dafür drei Ursachen: technische Restinkompatibilitäten vor allem bei Excel-Makros und der Groupware-Anbindung, organisatorische Mängel im städtischen IT-Eigenbetrieb mit unklarer Verantwortung und messbar sinkender Qualität ab 2014, und den politischen Rückzug nach der Kommunalwahl. Die Technik steht in dieser Aufzählung an letzter Stelle. Dass ausgerechnet diese Stadt heute als Vorzeigefall auftritt, gibt der Meldung ihr Gewicht.
Mein Einwurf benannte, was ein OSPO im Kern leistet:
Ein OSPO beantwortet die Frage, die nach jeder Veröffentlichung kommt: Wer trägt den Code am Tag danach? Releases, Security-Patches, Beiträge aus anderen Kommunen aufnehmen, Kompatibilität halten, das ist Produktverantwortung, und sie braucht einen benannten Ort in der Organisation. Münchens Beispiel zeigt, dass Open Source in der Verwaltung als Betriebsstruktur funktioniert, mit eigenen Rollen und Routinen. Interessant wäre, wie viele Kommunen im Kommunalen Open Source Board solche Strukturen schon aufgebaut haben.
Dirk Gernhardt, Open-Source-Beauftragter der Landeshauptstadt München, antwortete darauf mit einem Satz: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“
Damit bleibt die eigentliche Zahl offen. Wie viele der Kommunen im Kommunalen Open Source Board haben eine Stelle, die für Releases und Sicherheitsupdates zuständig ist, und wie viele haben stattdessen einzelne Engagierte, die es nebenher machen. Solange diese Zahl niemand kennt, lässt sich über die Tragfähigkeit kommunaler Open-Source-Strategien wenig Belastbares sagen.
Stand: 1. August 2026. Original-Post. LiMux-Zahlen aus der OSOR-Fallstudie der Europäischen Kommission (Adach 2024).
