21. Juli 2026 · IT-Planungsrat · Datengovernance, Nachnutzung, Interoperabilität
Der IT-Planungsrat hat im Juli das Vorprojekt „Datenlandkarte föderal“ abgeschlossen. Damit liegt erstmals ein föderal nachnutzbarer Ansatz vor, um Datenressourcen der öffentlichen Verwaltung zu beschreiben und zu vernetzen. Die zentrale Konstruktionsentscheidung: Die Landkarte arbeitet auf Basis von Metadaten und macht vorhandene Datenressourcen sichtbar, ohne die Fachdaten aus ihren Quellsystemen zu verlagern. Ergänzend wurden ein Vorgehensmodell zur Einführung und der Metadatenstandard ReportDCAT-AP.de weiterentwickelt. Das Vorhaben gehört zu den 27 Projekten, die zur Umsetzung der Föderalen Digitalstrategie beschlossen wurden; ein Hauptprojekt mit Pilotkontexten ist möglich.
Mein Einwurf zog daraus ein Muster:
Eine föderale Landkarte der Datenressourcen ist ein überfälliger Schritt, und sie liefert ein Muster, das über Daten hinausweist: Sichtbarkeit ist die Voraussetzung für Nachnutzung. Was für Datenressourcen jetzt entsteht, fehlt für die funktionierenden Systeme dahinter noch: ein Inventar der digitalen Produktionssysteme der Verwaltung, also der Lösungen, die seit Jahren Rechtsänderungen planbar in Software überführen und millionenfache Last im Echtbetrieb tragen. Legt man beide Karten übereinander, weiß man, worauf sich ein Deutschland-Stack stützen kann. Ist eine solche System-Sicht im Vorgehensmodell oder im möglichen Hauptprojekt mitgedacht?
Eine Antwort darauf steht aus. Der interessanteste Beitrag im Thread kam stattdessen aus der Schweiz. Georges-Simon Ulrich, dort Chief Statistician, beschrieb den Stand des Nachbarlands: Mit I14Y existiert ein nationaler Metadatenkatalog für Datensätze, Schnittstellen und Behördenleistungen, der gemeinsam mit opendata.swiss zur Plattform metadata.swiss weiterentwickelt wird, mit dem Ziel, Interoperabilität, Datenharmonisierung und das Once-Only-Prinzip zu stützen. Den Unterschied zum deutschen Vorhaben verortete er im Fokus: Die Datenlandkarte nehme Data Governance, Verantwortlichkeiten und Beziehungen zwischen Datenobjekten stärker in den Blick, während metadata.swiss vorerst bei Metadaten, Referenzdaten und Interoperabilität bleibe.
Michael Herter setzte einen praktischen Einwand daneben: Vorhandene Metadaten bedeuteten noch keine Interoperabilität, den Kommunen fehle ein entsprechendes Datenmodell.
Damit stehen zwei offene Punkte nebeneinander. Ob die Karte in der Fläche gefüllt wird, hängt an einem Datenmodell, das die Kommunen bislang nicht haben. Und ob sie Wirkung entfaltet, hängt daran, ob neben der Sicht auf die Daten eine Sicht auf die Systeme entsteht, in denen diese Daten verarbeitet werden.
Stand: 2. August 2026. Original-Post.
